Vom Studium in die Kita – Erfahrungen als Praktikantin

Nach meinem Abitur im Jahr 2014 wurde meine spätere Studienwahl schon maßgeblich durch meine erste Praxiserfahrung im frühpädagogischen Bereich beeinflusst, als ich mich dazu entschied, einen sechsmonatigen Bundesfreiwilligendienst in einer Kinderkrippe anzutreten.

Im Nachhinein betrachtet, war mein BFD als wichtige Praxiserfahrung nicht nur eine spätere Voraussetzung für den Studiengang B.A. „Pädagogik der Kindheit“ an der Fachhochschule, sondern auch eine äußerst hilfreiche Erfahrung, da ich in diesem halben Jahr als richtiges Teammitglied angesehen und eingearbeitet wurde.

So kann ich von Glück sprechen, dass ich meinen Bundesfreiwilligendienst in einer Einrichtung absolviert habe, von der ich von meinem jetzigen Standpunkt als Studierende der Kindheitspädagogik im 5. Semester aus betrachtet, schon wichtige Aspekte zu Themen wie „Partizipation“, „Zusammenarbeit mit Familien“, „Pflegesituationen“ und dem allgemeinen Tagesablauf erfahren konnte, die sich im Studium dann mit theoretischem Wissen verknüpfen ließen.

Wäre mein BFD allerdings durch negative Erfahrungen geprägt worden, hätte ich mich vielleicht nicht für ein Studium dieser Fachrichtung entschieden.

Ich habe während meines bisherigen Studiums inzwischen viele verschiedene Einrichtungen kennengelernt, die allesamt tagtäglich vor großen Herausforderungen stbbehen – sowohl in der pädagogischen Arbeit selbst, als auch im Hinblick auf die konzeptionellen Rahmenbedingungen.

Oft habe ich erlebt, dass schon der ganz „normale“ Tagesablauf in der Krippe oder Kita mit seinen zahlreichen Schlüsselsituationen wie Wickeln, gemeinsames Essen, die Gestaltung von Transitionen oder auch die Schlafens- bzw. Ruhezeit ein enormes Stresspotenzial in sich birgt, da sich pädagogische Fachkräfte über ihre eigentliche Arbeit hinaus meist mit ständigem Personalmangel, einer zu großen Gruppengröße und ungeeigneten Raumkonstellationen auseinandersetzen müssen.

Auch habe ich beobachtet, dass Teamsitzungen, Vor- und Nachbereitungszeiten und Reflexionsgespräche häufig in den Hintergrund geraten. Diese sind jedoch besonders wichtig, weil nur durch intensiven Austausch im Team oder teamübergreifend problematische Situationen erkannt und Bedürfnisse angesprochen werden können, um gemeinsam den individuellen Ansprüchen der Kinder und der Mitarbeiter gerecht zu werden.

All diese Herausforderungen können meiner Meinung nach nur professionell gemeistert werden, wenn pädagogisches Personal diesen kompetent entgegentritt und qualitativ „gute“ Arbeit leistet. Die eigene Rolle, der Umgang mit Kindern und Kollegen, sowie die Zusammenarbeit mit den Familien muss also genau betrachtet und ständig hinterfragt werden, um die persönliche und fachliche Weiterentwicklung und den pädagogischen Standard in Kindertageseinrichtungen zu optimieren.

Hierzu eigenen sich besonders gut Supervisionen, Prozessbegleitungen, Weiterqualifizierungen und Fortbildungen, da zum einen vorhandenes Fachwissen aufgefrischt und neues Wissen erworben wird. Darüber hinaus führt die fachkundige Anleitung von Experten dazu, teamentwickelnde und individuelle Prozesse in der pädagogischen Arbeit voranzutreiben.

Ich hatte die Möglichkeit als Praktikantin diesen Teil der Erwachsenenbildung kennenzulernen, Seminare mit vorzubereiten, an diesen teilzunehmen und mit Teilnehmern und Referenten ins Gespräch zu kommen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass bei solchen Veranstaltungen immer beide Seiten voneinander profitieren und pädagogische Fachkräfte positiv gestärkt und mit neuen Denkanstößen in ihren Arbeitsalltag zurückkehren.

Geschrieben von Lisa Eßel, Studierende der Fachhochschule Erfurt, B.A. „Pädagogik der Kindheit, 5. Semester