Warum bilden wir uns weiter? Wozu brauchen wir Experten in bestimmten Bereichen?

Wir sind alle pädagogische Fachkräfte, doch ist die eine zudem spezialisiert für Krippenpädagogik, der andere ist ein Experte für Inklusion, eine weitere Fachpädagogin für Sprache.

Aufbauend auf einem gemeinsamen Hintergrundwissen erarbeiten sich pädagogische Fachkräfte ein Spezialwissen in einem Bereich, das sie als Experte ausweist. Warum ist dies wichtig? Wir können nicht alle Experten in allen Bereichen sein – und das ist gut so. Wir sind ganz unterschiedliche Menschen, mit unterschiedlichen Fähigkeiten und Interessen. Und genauso verschieden sind auch unsere alltäglichen Situationen und auch unsere Arbeitsplätze. Wenn wir zu Experten werden, können wir mit unserer fachlichen Brille sehen, bewerten und handeln. Das ermöglicht eine größere Bandbreite an Perspektiven im Team und reduziert subjektive Eindrücke, die zu Beobachtungsfehlern führen können. Spezialisierung erweitert also unser Wissen, unsere Wahrnehmungswelt und unseren Handlungsspielraum.

Da wir nicht in allen Bereichen Experten werden können, ist es wichtig Zuständigkeitsbereiche und Ansprechpartner festzulegen. Zudem können spannende Verbindungen entstehen wenn sich beispielsweise ein Experte für Inklusion und eine Spezialistin für Sprache zusammentun, entstehen neue Ideen und Ansätze und Energie wird gebündelt.

Konzeptionelle Änderungen erfordern eine fundierte pädagogische Grundlage. Möchte eine Einrichtung beispielsweise ihr Angebot im Bereich der Natur- und Waldpädagogik ausbauen, benötigt eine konsequente Umsetzung Kompetenzen, die wir mit unserem allgemeineren pädagogischen Hintergrund vielleicht gar nicht haben (können). Qualifizierte Fachpädagogen können die strukturellen Umstellungen professionell fachlich begleiten und die pädagogische Praxis mit Inhalt und Anregungen füllen.

Spezialisierung bedeutet auch selbst neue Impulse zu bekommen. So füllen wir unseren Kompetenzpool, über den wir unsere Handlungen und Ansätze auch fundiert belegen und begründen können. Durch die Argumentation auf neuer Grundlage und das vertiefte Wissen über das Was? Wie? und Warum? wird unser Selbstbewusstsein gestärkt und wir können in entsprechenden Situationen anders auftreten.

Und ganz klar – wer rastet, der rostet. Regelmäßige Weiterbildung regt auch unsere grauen Zellen dazu an wieder aktiv zu werden. Dabei gewinnen wir auch für uns selbst dazu. Welche Formen der Weiterbildung es gibt, wird in diesem Beitrag übersichtlich zusammengetragen: http://fachgespraech-fruehebildung.de/fort-weiterbildung/

Nicht zu vergessen: Wissenschaft lebt! Pädagogische Ansätze können auch immer wieder neue Ausrichtungen und Erweiterungen erfahren. Die Welt steht nicht still – immer wieder können besondere Ereignisse, wie beispielsweise die Ankunft zahlreicher Menschen mit Fluchterfahrung, den Alltag stark beeinflussen.

So ist Spezialisierung ein Gewinn für alle! Für Kinder, da die pädagogische Fachkraft anders in Situationen agieren kann, für Eltern, da so Ansprechpartner für spezielle Bereiche verfügbar sind, für das Team, weil nun Zuständigkeiten und gemeinsame, neue Sichtweisen und Perspektiven entstehen, für die pädagogische Fachkraft selbst, weil Selbstbewusstsein und Kompetenzpool wachsen und für den Arbeitgeber, weil durch Spezialisierung auch Probleme anders angegangen und gelöst werden können.